Stollen- und Schachtzimmerungen

Wissenswertes über die Hohlraumerhaltung mit Holz im damaligen Stollen- und Schachtbau. Die sogennante Zimmerung hat den richtigen Umgang mit verschiedensten Holzarten in unterschiedlichen Klimata, Wetter, geprägt. Das Zusammenspiel von feuchten Umgebungsbedingungen und einem hygroskopischen, anisotropischen, organischem Material unter Tage, setzte schon damals ein hohes Maß an Erfahrung voraus, bei dem grobe Fehler nicht selten mit dem Leben bezahlt worden sind.

 

An dieser Stelle erwähne ich M. Szlakowski, B.Eng. für gute Zusammenarbeit

Einleitung


Für die Gang – und Hohlraumerhaltung kommt Grubenholz unter Tage zum Einsatz. Unterschiedliche Gegebenheiten im Bergbau erfordern verschiedenste Eigenschaften des zu verbauenden Holzes. Die Berufsbezeichnung Zimmerling war geboren. Nicht zu verwechseln mit dem Zimmermann, teilt sich das Berufsfeld in zwei Sparten; den Tagezimmerling sowie den Grubenzimmerling.
Die Aufgabe des Tagezimmerlings war es das Holz so vorzubereiten, dass der Grubenzimmerling dem Vortrieb auf dem Fuße folgen konnte. Ebenso war das Einhängen in den Schacht von großer Bedeutung, sodass die Förderung mit dem Haufwerk möglichst ungestört blieb. Die Aufsicht über dieses Gewerk war dem Zimmersteiger zugesprochen.
Die gängigen Verständigungsmethoden waren Klopfzeichen. Unterschiedliche Materialien leiteten den Körperschall um ein Vielfaches verständlicher und schneller als in der Luft. Die immer tiefer geteuften Schächte verursachten einen Rückgang der Arbeitseffizienz der Kumpel. Für den Auf – und Abstieg der teilweise 600 Meter tiefen Schächte waren insgesamt zwei Stunden nötig. Um die Effizienz wieder zu steigern wurden die sogenannten Künste eingeführt. Unter anderem die Fahrkunst, Wetterkunst, Wasserkunst und Förderkunst, um die wichtigsten einmal zu nennen.

Der erfahrene Grubenzimmerling war im Bergbau hoch angesehen. Die ihm übertragenen Aufgaben waren so verantwortungsvoll, dass man ihnen Leben und Tod zusprechen konnte. Auch könnte man ihn als praktisch agierenden Tragwerksplaner sehen. So war es unerlässlich, den anstehenden Gebirgsdruck richtig einzuschätzen. Erfahrungswerte bei der Arbeit waren in den vergangenen Jahrhunderten mehr wert als anzuwendende Berechnungsansätze.

Ein Auszug aus dem Buch 'Die Grubenzimmerung' spricht dem Zimmerling wie folgt zu:

„ Ein intelligenter und erfahrener Zimmerling, ist ein ebenso seltener als nützlicher Mensch; er beurtheilt durch den Augenschein woher der Druck kommt und die Richtung, welche die Axen der zu legenden Hölzer einnehmen müssen, um mit Nachdruck das Gestein zu unterstützen und Brüchen zu widerstehen.“ (Conrad Sickel, die Grubenzimmerung, Freiberg 1872)

Unterschiedliche Arten zur Verwahrung der Grubenräume zwangen auch schon damals die verantwortlichen Bergmänner zu einer Entscheidung. Sei es die Mauerung oder das Ausschlagen des Stollens, mit in Hufeisenform eingebrachten Stählen. Oder eben doch die alt hergebrachte Grubenzimmerung.

„(..) die Unterstützung durch Holz, also die Zimmerung, (..), weil diese Arbeit die am häufigsten vorkommende, in manchen Gegenden sogar die einzige ist, sei dieses nun wegen Mangels an anderen Materialien, besonders geeigneter Steine für die Mauerung, sei es wegen niedriger Preise des Holzes, sei es, weil die muthmaasslich erforderliche Dauer der Offenhaltung der Grubenräume eine nur kurze ist, sei es endlich blos, weil es einmal von alten Zeiten so hergebracht ist, sondern auch, weil sie, mit wenigen Ausnahmen nur, die erste Arbeit ist, welche der Oeffnung oder Herstellung der Grubenräume auf dem Fusse folgen kann, oder mit ihr gleichzeitig fortgeht, um nicht zu sagen, zuweilen ihr vorausgeht.“ (Conrad Sickel, die Grubenzimmerung, Freiberg 1872)

 

 


Geschichtliches


Etwa 700 v. Chr. wurde in der Nähe von Jerusalem ein Wasserversorgungsstollen mit einer Gesamtlänge von 540 m und einem Volumen von 20.000 m³ erbaut.
Die Etrusker bauten zwischen 700 bis 550 v. Chr. unter Ihren Städten ganze Stollensysteme zur Wasserversorgung und Kanalisation, aber auch Bergwerke. Die Kunst der Stollensysteme wurde später von den Römern übernommen.
Der römische Kaiser Octavian errichtete 36 v. Chr. bei Cumae und Neapel die ersten Straßentunnel. Beide gehen durch Felsrücken und reichen bis zum Meer. Der Straßentunnel bei Cumae ist 690 m lang, 9 m breit und 25 m hoch. Er ist sogar heutzutage noch in Benutzung.

 

 


Gezähe (Werkzeuge)


Das wichtigste Gezähe des Zimmerlings umfasst den Kaukamm, den Treiberfäustel, den Bello, die Bügelsäge, eine Azuela, die Setzwaage und das Lot. Der moderne Begriff für den Kaukamm stellt die Axt, die auch damals so Verwendung fand. Mit dem Treiberfäustel wurde vorgetrieben, damit der Stempel oder der Bolzen in Lage blieb. Anschließend wurde der Bello als Vorschlaghammer zum festen Antreiben des Holzes gegen das Gestein eingesetzt.  Die Bügelsäge durchtrennte die Fasern des Grubenholzes, nachdem die Azuela die Fasern aufgespalten hatte. Heute bekannt als Stemmeisen. Das Lot und die Setzwaage, die ein gleichschenkliges Dreieck darstellte, zur Ausrichtung der einzelnen Hölzer, damit die Druckrichtung des Gebirges Berücksichtigung fand.
Die Werkzeuge des Hauers musste der Zimmerling zum Teil auch bei sich tragen, um Auflager für die Hölzer zu schaffen.

 

 


Streckenzimmerung


Die Streckenzimmerung bezieht sich auf die Gangerhaltung, bei horizontaler oder leichter Neigung einer Strecke.
Angewendet werden vorzugsweise Tragstempel, Bolzen oder ganze Türstöcke. Die Arbeitsschritte beginnen mit dem Abrichten des Gesteins. Es wird ein sogenanntes Bühnloch in das Liegende eingearbeitet. Die Maße dieses viereckigen Loches, welches bis zu 30 cm tief sein kann, weisen einen etwas größeren Durchmesser auf, als der Stamm selber. Auf der gegenüberliegenden Seite der Ulme wird der Anfall ins Hangende geformt. Dieser besteht aus einer nahezu vollkommenen Fläche, die mindestens die Maße des einzulegenden Stempels hat. Der Anfall wird so gearbeitet, dass die Fläche schräg nach unten verläuft, damit sich eine Keilwirkung ausbilden kann. So wird auch der Tragstempel zugeschnitten, dass die Oberkante länger ist als die Unterkante. Die Maße werden mit einem Sperrmaß genommen, indem sich zwei Hölzer gegeneinander verschieben und die Maße angeben. Der Stempel wird zuerst mit dem Treiberfäustel und dem Setzholz angetrieben. Um ihn in die endgültige Lage einzutreiben, wird der Bello benutzt, der mit einem Gewicht mit bis zu 15 Kg enorme Energie überträgt. Der Schlag sollte hell klingen und der Stempel überall zumachen. Die Arbeit am Gestein kann einen fleißigen Zimmerling einige Stunden in Anspruch nehmen.
Wenn nicht gewissenhaft gearbeitet und der Anfall mit Keilen hinterlegt wurde, kann es zur Folge haben, dass der Gebirgsdruck den Stempel über den Anfall hinaus drückt. Abgetragen wird nicht mehr mit der vollen Höhe. Die Tragfähigkeit auf Biegung verringert sich, sodass sich höchst wahrscheinlich ein Versagen der Schubkraft einstellt und der Stempel in seiner Längsachse aufreißt.

Ein zu hoher Seitendruck, der von der Ulme aufgrund von rolligem Gestein ansteht, muss ebenfalls berücksichtigt werden. Es sind Fußpfähle, Beine oder Bolzen zu stellen, die in Verbindung mit dem Stempel den einseitigen oder ganzen Türstock ergeben. Bei diesem Lockergestein war eine Verladung aus Schwarten vorzusehen.  Schwarten entstehen aus sekanteten Baumstämmen, die in Richtung der Längsachse aufgeschnitten werden. Die Verbindung der Hölzer untereinander kann variieren. Es wird nach deutschem und polnischem Gezimmer unterschieden.
Je nachdem wie groß der Ulmendruck ist, wird der Stempel auf - oder eingelegt. Lag der Strecke eine brüchig, nachgiebige Sohle zugrunde, so kamen Grundsohlen zum Einsatz, die das Versinken der Fusspfähle abfingen. Zwischen den Grundsohlen befanden sich teilweise Spreizen, die orthogonal zu ihnen eingelegt waren. So entgegnete man hohem Ulmendruck.
17 – 23 cm stark war der Durchmesser im Mittel der zu verbauenden Hölzer.

 

 


Getriebezimmerung


Die Getriebezimmerung erfolgt im rolligen Gestein. Dabei wurden angespitzte Pfähle oder Bretter an der Außenkante eines Türstocks vorbeigetrieben. Die in Längsrichtung des Ganges gehauenen Pfähle bildeten die Verladung. Das anliegende Haufwerk konnte abgetragen werden und der nächste Türstock gesetzt. Je nach Brüchigkeit des Gesteins und dem resultierendem Druck, ergab sich der Abstand untereinander.

 

 


Schachtzimmerung


Die Schachtzimmerung unterscheidet sich nach Lage der Schächte im Boden, sowie der Ausbauart in Folge des anstehenden Erdruckes.
Darunter sind saigere Schächte die senkrecht abgeteuften. Tonnlägige Schächte laufen aus der Senkrechten aus und besitzen ein Gefälle < 200 % aus der Waagerechten.
Die Herstellung eines Schachtes ist größtenteils unabhängig von der Schachtart. Abschnittsweise wurde die verlorene Zimmerung von oben nach unten eingebracht, um von unten den eigentlichen Schachtausbau über die sekundäre Zimmerung zu beginnen. Die Vorteile bei diesem Verfahren waren, dass möglichst viel Platz zum Ausschachten vorhanden war. Des Weiteren konnte der anstehende Druck beurteilt werden, von welchem die spätere Verzimmerungsart abhing, die sich in drei Verfahren unterscheidet: Wandruthen -, Bolzenschroth - und Schrothzimmerung.
Der erste Arbeitsschritt begann mit dem Auflegen, bzw. Einlegen des aus Eiche bestehenden Tragkranzes, sogenannte Rüstbäume. Dabei sind die zwei Lagerbäume der längeren Seite in Bühnlöcher eingelassen und angekeilt. Die drei Riegelbäume spreizen die Lagerbäume gegen die längere Ulme. Diese rechteckige Konstruktion bildet das erste Schloss. Nachdem ein Brettverschlag und eine Haspel über dem Schacht gezimmert, konnte die Abteufung beginnen. Der Abstand der einzelnen Schlösser richtete sich nach dem anstehenden Druck. Bei lautem Gestein beispielsweise war ein Abstand von 60 – 100 cm notwendig. Bei festerem Gestein war ein solcher von zwei Meter ausreichend.
Die primäre Verzimmerung baute sich folglich auf der verlorenen Zimmerung auf, den Schlössern. Die Wandruthenzimmerung erfolgte mit abgerindeten Rundstämmen. Im Harz eine der häufigsten Ausbauarten. Im Clausthaler Bergwerksmuseum ist diese ausgestellt. Sie konnte so ausgelegt werden, dass sie nahezu allen Erddrücken standhielt. Die weiteren Zimmerungen basieren auf Gevieren. Größtenteils mit beschlagenen, in Form gebrachten Balken, die untereinander mit einer Verblattung verbunden wurden. Die Schrothzimmerung galt als sehr aufwendig, jedoch konnte sie große Drücke aufnehmen.
Im Allgemeinen sind die Holzverbindungen untereinander ausschließlich auf Druck ausgelegt, sodass ein Ankeilen mit zwei zueinander passenden Flächen genügte. Die Lagesicherung erfolgte durch gegenseitiges abstützen, in Einzelfällen auch mit Eisennägeln.
Auch hier konnte die Getriebezimmerung angewendet werden. Hier sind von oben die Pfähle an den Schlössern vorbeigetrieben wurden, um somit die Ulmen zu sichern.
Die Schachteinteilung war in zwei Teile untergliedert, zum Fördern und zum Begehen.
Zum weiteren Verständnis und Klarheit über die nötigen Einzelheiten tragen die zugehörigen Bilder der Präsentation ihren Großteil bei.

 

 


Tunnelzimmerung (Jochzimmerung)


Die Zimmerung wird hierbei in Zonen von drei bis neun Meter Länge eingeteilt. Hierbei kommt es aber immer auf die Beschaffenheit des Gesteines an.
Jede Zone wird an den Enden durch sogenannte Endgespänne gestützt. Bei großen Zonen werden noch Zwischengespänne in den Zonen angeordnet. Über die End- und Zwischengespänne laufen Längsträger. Diese werden im First Kronbalken genannt. Die Fixierung der Kronbalken und Längsträger erfolgt durch Bolzen. Wirkt kein Brustdruck sind keine Brustschwellen anzuordnen, tritt Brustdruck auf sind Brustschwellen quer zu den Längsträgern anzuordnen. Die Höhe des Stollens bestimmt die Anzahl der Brustschwellen. In der Regel sind es zwei Brustschwellen,  sollten aber die Anzahl drei nicht überschreiten. Bei großem Gebirgsdruck sind zusätzlich zu den Brustschwellen noch Bruststreben anzuordnen. Diese beschränken das Ausknicken der Brustschwellen.
Für besonders drückendes oder schwimmendes Gebirge eignen sich die Längsträger für Getriebezimmerung nicht, hier sollte dann eine Querträgerzimmerung mit Längsverpfählung oder Schildvortrieb zur Ausführung kommen.

 

 


Holz


Am häufigsten wurde im Tunnel- und Stollenbau das Nadelholz verwendet. Die Vorteile des Nadelholzes sind, dass es schnell und mit den wenigsten Unebenheiten wächst, es ist gut bearbeitbar und kostet wenig. Bei dem Nadelholz sticht das Fichtenholz hervor, da es ein geringes Eigengewicht hat und eine hohe Elastizität aufweist. Auch wird es in den Gruben von der Fäulnis nicht so leicht angegriffen.
Noch besser als das Nadelholz ist das Eichenholz geeignet. Es besitzt eine höhere Festigkeit und widersteht dem stehenden Wasser in den Gruben besser als das Nadelholz. Jedoch ist es teurer in der Anschaffung und in der Bearbeitung gegenüber dem Nadelholz, da es nicht gerade gewachsen ist und schwer zu bearbeiten ist. Verwendung findet das Eichenholz deswegen meist in Schwellen oder Pfosten.

 

 


Nachfolgend die Zusammensetzung von Holz:

Cellulose                     40 – 50 %
Lignin                         20 - 30 %
Hemicellulose (Polyosen)             20 – 30 %
Kerninhaltsstoffe (z. B. Harz)            1 – 3 %
Feste Restbestandteile (Asche)         0,1 – 0,5 %
(Vgl. Dr.-Ing. habil. G. Meier; Holz im Altbergbau; Tagungsband 6. Altbergbau-Kolloquium, 09. - 11. Nov. 2006, RWTH Aachen)

Die Holzfeuchte bei frisch geschlagenem Holz ist von der jeweiligen Jahreszeit abhängig und erreicht ein Maximum im Frühjahr bzw. Sommer und ein Minimum im Winter. Nachfolgend sind die Maximalwerte für frisch geschlagenes Holz aufgelistet:

Splint                 Kern
Nadelholz         < 200 Masse-%         40 – 60 Masse-%
Laubholz         60 – 80 Masse-%         60 – 80 Masse-%
(Vgl. Dr.-Ing. habil. G. Meier; Holz im Altbergbau; Tagungsband 6. Altbergbau-Kolloquium, 09. - 11. Nov. 2006, RWTH Aachen)

Auffällig hierbei ist der hohe Feuchtegehalt von Nadelholz. Dies relativiert sich jedoch durch die verschiedenen Rohdichten der Holzarten. Nadelholz führt auf die Masse ein nicht Vielfaches mehr an Wasser als Laubholz, da man das Verhältnis von Masse/Wasser bildet und somit ein fast ausgeglichener Feuchtegehalt herrscht.

Die Fasersättigungsfeuchte beträgt bei beiden Holzarten etwa 28 – 32 Masse-%.
Zur besseren Austrocknung der Stämme sollten diese vor dem Einbau geschält werden. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass Holzzerstörende Pilze unter 20 % Holzfeuchte nicht mehr wachsen können.

Neben der Sicherung des Bergbaus benötigte das Hüttenwesen enorme Mengen an Holz. Dies führte im Laufe der Zeit zu einer Verknappung des Rohstoffes.
Am Beispiel des Harzes gegen Ende des 18. Jh.:
Bis hierhin war der Harz ein von Buchen dominierter Mischwald und fast vollständig abgeholzt. Überlieferungen aus dieser Zeit besagen, dass ein Förster zu dieser Zeit klagte, dass es im Harz keinen Ast an einem Nadelbaum gibt, an dem man sich hätte aufhängen können.
Der große Einsatz von Grubenholz im Harz, ist heutzutage der Grund für die dort vorzufindenden Monokulturen von Fichtenholz.

Warum wurde Holz für den Grubenbau genommen?


Alternativen waren Natursteine oder Ziegel, später auch Stahl und Beton. Jedoch waren die Kosten für diese Baustoffe sehr hoch. Die Verzimmerung mit Grubenholz konnte dem Ausbruch auf dem Fuße folgen und war somit zu der Zeit die schnellste Sicherungsart.

 

 


Holzkonservierung


Zur Konservierung des Grubenholzes wurden äußere Verkohlung, Anstriche, Dämpfung, Auslaugung und Imprägnierung eingesetzt. Bis Ende des 19. Jh. waren etwa 200 Verfahren bekannt. Häufig wurde das Holz in eine Quecksilber-Chloridlösung getaucht.
Erstrebt war bei diesen Verfahren eine Haltbarkeit von vier bis fünf Jahren. Jedoch lag die Wirkungszeit häufig bei unter zwei Jahren. Zudem waren Vergiftungen durch die teils toxischen Konservierungsstoffe an der Tagesordnung. Im Harz wurde deswegen ab Mitte des 19. Jh. die Konstruktion mithilfe von Leitungen, Schaufeln oder durch das Grundwasser selber gewässert und teilweise mit Seilen umwickelt.

Wie lange soll der Verbau stehen?


Hierbei wird unterschieden zwischen einer kurzzeitigen und einer langzeitigen Zimmerung.

Bei der kurzzeitigen Zimmerung bleibt die Konstruktion solange stehen, bis der Stollen, Schacht oder Tunnel durch z.B. Natur- oder Ziegelstein bzw. Stahl oder Stahlbeton gesichert ist. Bei dem errichten der Konstruktion ist darauf zu achten, dass die Hölzer rund und die Verbindungen leicht zu lösen sind. Dadurch sind die Konstruktionen bis zu drei Mal wiederverwendbar. Dies ist natürlich auch von dem Wetter unter Tage abhängig.

Eine genaue Bearbeitung der Hölzer erfolgt bei der dauerhaften Zimmerung. Diese wird notwendig, wenn die Konstruktion nur schwer zurückzubauen ist, wie z.B. bei hangendem Gebirge. Hierbei sollten die Kosten dem Nutzen bzw. der Dauer gegenübergestellt werden.

 

 


Dauerhaftigkeit des Holzes


Die Dauerhaftigkeit des Holzes ist in drei Bereiche einzuteilen.

Zum einen der Bereich der unter Wasser liegt oder sich in einem wassergesättigten Bereich befindet. Hier haben Erfahrungen gezeigt, dass ein Holzbau der ca. 50 Jahre unter Wasser steht, noch seine volle Funktionsfähigkeit erfüllt. Es sind sogar im Harz Fälle aufgetreten in denen über 200 Jahre altes, unter Wasser gelagertes Fichtenholz in einem harten und gesunden Zustand angetroffen wurde.

Der nächste Bereich ist die der Lufterfüllten Gruben. Hierbei ist zwischen ein- und ausziehenden Wettern zu unterscheiden. Die Holzkonstruktion weist in Strecken mit ausziehenden Wettern eine kürzere Lebensdauer auf als im einziehenden Wetterstrom.
Kiefernholz besteht unter guten Verhältnissen etwa fünf Jahre unter Tage. Im Regelfall sind es jedoch rund zwei Jahre und unter schlechten Verhältnissen ist es etwa ein Jahr. Bei der Verwendung von Eichenholz unter Tage kann sogar der Faktor zwei angesetzt werden.

Als letztes kommt der Bereich in der Wasser - Luft - Wechselzone. Hier können die Grubenstempel bereits nach acht bis neun Monaten ihren Gebrauchswert verlieren. Bei stagnierender Luftzirkulation ist es nur eine minimale Haltbarkeit von sechs Wochen.
Einfluss auf die drei oben genannten Bereiche nimmt sowohl das Fällatler, die Fällzeit und der Standort des Baumes.
Ausnahmen hierbei sind jedoch Kali- und Steinsalzbergbau, da in diesen Bergwerken die Konstruktionen natürlich imprägniert werden.

 

 


Holzschädlinge


Bei den Pilzen gibt es zwei Hauptarten.

Zum einen die Braunfäulepilze, auch Destruktionsfäule genannt. Diese Fäule greift bevorzugt Nadelholz an und baut die Zellulose ab. Das Lignin bleibt über und gibt dem Holz die braune Farbe. Die Pilze wachsen zwischen 3 und 36°C und erreichen bei 21°C ihr optimales Wachstum. Die optimale Holzfeuchte liegt zwischen 20 - 120 Masse-%.

Eine häufig in Bergwerken und Gruben auftauchende Braunfäulepilzart ist der Muschelkrempling oder auch Gruben- bzw. Fächerschwamm genannt. Er wächst zwischen 3 - 30°C und sein optimales Wachstum liegt bei 23°C. Zum Wachsen benötigt der Muschelkrempling kein Licht und einer Holzfeuchte von 60 - 120 % ein sehr feuchtes Klima.

Zum anderen gibt es die Weißfäulepilze, auch Korrosionsfäule genannt. Diese Fäule greift bevorzugt Laubholz an und baut das Lignin ab, sodass die Zellulose übrig bleibt. Seltener greift er Nadelholz an, jedoch gab es hier schon einige Fälle.

 

 

 

Grubenunglücke

 

 


Der Schachtbruch der Grube Herzog August und Johann Friedrich zur Bockswiese


Es sollte eine Auswechslung der nicht mehr intakten Holzkonstruktion stattfinden. Hierzu wurde ein mächtiges Stück Holz zur Bearbeitung, den Schacht mit Hilfe von Seilen herunter gelassen. Leider waren die sonst verwendeten Seile zur Reparatur und deswegen wurden andere Seile verwendet. Diese waren schadhaft und rissen auf halber Strecke. Dadurch fiel das mächtige Stück Holz fast ungebremst in die unten stehende Konstruktion und zerstörte diese. Drei der elf Arbeiter starben dabei sofort durch Wucht des Auftreffens. Durch das Holz wurden weiter oben die Wasserschächte beschädigt und die untere Grube begann vollzulaufen. Das Wasser konnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht abfließen, da dieser Stollen der Endstollen für die Wasserführung war und der Durchbruch wurde erst ein paar Monate später fertig gestellt. Sieben der acht restlichen Arbeiter sind deswegen ertrunken. Der letzte ist in höhere Lagen geklettert, aber hier gab es auch kein Ausweg. Er ist entweder verhungert oder durch den immer größer werdenden Druck, der in dem Vakuum herrschte gestorben. Die letzten Leichen wurden erst ein Jahr nach dem Unglück geborgen. Beim Aufladen dieser mussten die Arbeiter ganz vorsichtig verfahren, denn das Fleisch hatte sich bereits von den Knochen gelöst.

 

 


Grube Felicitas zu St. Andreasberg


Die alte Grube wurde wegen fehlendem Betriebswasser stillgelegt und Jahrzehnte später wieder eröffnet. Ca. 20 Jahre nach der Wiedereröffnung wurde ein Schaden in dem Stollen festgestellt. Arbeiter haben diesen mit Getriebearbeit ausgebessert.
Die Konstruktion war mit Steifen, sogenannten Pölzen, unterstützt.
Bis auf die Kappe war soweit alles fertig gebaut. Nur um diese einzubauen standen noch Pölze im Weg. Trotz der bekannten Gefahr wurde einer der Pölze entfernt. Denn einen anderen Weg die Kappe einzubauen gab es nicht.
Die Arbeiter dachten sich wohl, dass der Druck nicht sofort wirkt und vom Getriebe aufgenommen wird. Nach dem Entfernen des Pölz vermuteten die Arbeiter, dass Sie die Kappe einbringen können. Jedoch das Brechen der vorher eingesetzten Pfähle belehrte sie eines Besseren.
Sie waren wie in einer Mausefalle gefangen und eingeengt. Des Weiteren rutschte rolliges Gestein nach.
Für die Rettungsmannschaft gab es nur zwei Rettungswege. Einen langen, sicheren und einen kurzen, gefährlichen. Sie haben den kurzen gewählt, da die Arbeiter unten zu verschütten drohten. Trotz der Gefährlichkeit der Lage wurden alle Arbeiter aus der Grube herausgeholt. Jedoch konnten zwei der Arbeiter nur noch tot geborgen werden.

 

 


Lohn, Aufwand und Kosten


Der Wochenlohn eines Zimmerlings betrug Anfang des 19. Jh. 36 Groschen. Hierfür musste er an 6 Tagen je eine Schicht, das sind 12 Stunden, unter Tage arbeiten.

Ein Baumwoll-/Leinweber verdiente pro Woche etwa 60 Groschen.

Die Wochenkosten eines gut bürgerlichen fünf Personen Hausaltes betrugen zu dieser Zeit etwa 105 Groschen.
Nachfolgend ein paar Wochenpreise für diesen fünf Personen Haushalt.

Miete                20 Groschen
3 Schwarzbrote         10 Groschen
¾ Pfund Kaffee        5 Groschen
Heizkosten            5 Groschen
Schulgeld            4 Groschen


Die Herstellung von etwa zwei Meter einfacher Türstockzimmerung dauerte fünf einzelne Schichten und kostete 72 Groschen.

 

 


Verwendete Literatur

Bergbaumuseum Bad Grund; Bergbau Bad Grund; um 1930
Bergwerksmuseum Clausthal; Seifried, Szlakowski 2014
Deutsches Straßenmuseum Germesheim; Tunnelzimmerung, 2014
Dingelstedt, Friedrich Wilhelm; Anleitung zur Grubenzimmerung, Mainz 1843 Dolezalek; Tunnelbauweisen, Zeno.org, 2014
Girmscheid, Gerhard; Baubetrieb und Bauverfahren im Tunnelbau, März 2008
Meier, G.; Holz im Altbergbau, RWTH Aachen, 9-11.Nov.2006
Niederist, Josef; Grundzüge der Bergbaukunde, BSB digitalisiert, Prag 1863
Paalzow, Günther; Bundesarchiv, 11.01.1952
Rüpke; Braun- und Weißfäule, Holzfragen.de, 2014
Schell, Friedrich; Die Unglücksfälle in den oberharzischen Bergwerken, Clausthal 1864
Sickel, Conrad; Die Grubenzimmerung,Bayrische Staatsbibliothek digital,
    Freiberg 1872

 

 

 

Master Bauingenieurwesen WS 14/15
Lars Seifried, Marco Szlakowski
13.01.2015
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